Archiv für das Tag 'Urteilsvermögen'

Nov 21 2008

Wie uns Emotionen im Wege stehen…

Abgelegt unter Artikel

Haben Sie sich schon mal gesagt, dass etwas einfach so sein muss, nur weil es sich gut oder richtig anfühlt(e)? Oder umgekehrt: Dass etwas sowieso keinen Sinn macht, weil es sich von vorneherein schlecht angefühlt hat? Emotionale Argumentationen sind allgemein verbreitet. Die Wahrheit ist jedoch: Emotionen sind kein wirklich guter und objektiver Ratgeber zur Realität!

Wir wollen einige Dinge einfach so sehr als wahr erachten weil sie sich so gut anfühlen. Zumindest glauben wir das. Wir möchten, dass andere falsch liegen, vielleicht weil wir sie fürchten… Über das Generieren von guten Emotionen werden viele Verkäufe abgeschlossen, die unter ausschließlich rationalen Bedingungen kaum zustande kämen.

Emotionale Beurteilungen führen zu einem verzerrten Realitätsbild. Hoffnung lässt das Gute besser erscheinen als es ist und Angst lässt das Schlechte bedrohlicher wirken. Anstatt einer objektiven Wahrnehmung pendelt man häufig zwischen unrealistischen Hoffnungen und genauso unbegründeten Verzweiflungszuständen. Die Börse ist ein gutes Sinnbild hierfür…

Alles oder nichts, und alles am besten sofort. Das Verlangen nach sofortigem Erfolg bzw. bestimmten Ergebnissen führt zu einem nicht vereinbaren Bild mit der eher längerfristigen Natur der Dinge in der wirklichen Welt. Sofortiger Erfolg ohne das zeitlich intensive Investment in die Grundlagen… wie soll das funktionieren? Keiner hat sofort Erfolg mit etwas das gerade begonnen wird. Häufig stellt sich ein gewünschtes Ergebnis erst nach ein bisschen (oder auch ein bisschen mehr) Zeit ein. Anstatt mit einer Sache durchzuhalten ist man zu ungeduldig die Entwicklung abzuwarten. Das Ergebnis: Man steht mit leeren Händen da. Und einer Menge Frustration…

Frustration wird zu Wut und man wird schnell zum Gedankenleser. Der Chef knallt einem kurz vor Feierabend noch ein paar Akten auf den Schreibtisch. Und natürlich tut er dies nur, um einen zu ärgern. Könnte es sein, dass womöglich etwas ganz anderes dahinter steckt? Vielleicht MUSS diese Sache schnell fertig werden. Oder er hat selbst viel Stress und fleht förmlich um Entlastung. Oder er sieht einen als den fähigsten Mitarbeiter an für diese Aufgabe (erwähnt dies aber nicht). Oder, oder, oder… Egal was es ist. Man glaubt schnell die Wahrheit zu kennen. Und zwar die eigene. Objektivität, Urteilsvermögen und Fairness gehen schnell dahin.

Das Problem mit der emotionalen Sichtweise der Dinge ist nicht selten ein egoistisches, selbst-zentriertes Universum. Alles dreht sich nur um einen selbst und scheint auf das eigene Ich ausgerichtet zu sein sowie die eigenen Wünsche und Bedürfnisse.

Emotionale Beurteilung ist selten nützlich und verursacht häufig unnötigen (und vor allem vermeidbaren) Kummer und Ärger. Die Lösung liegt auf der Hand: Die Dinge sehen wie sie sind. Nicht besser, aber auch nicht schlechter. Und vor allem unabhängig von aktuellen Ängsten oder Wünschen.

Die größten persönlichen Erfolge sind selten Zufall - jedoch, so scheint es, die meisten persönlichen Katastrophen. Die guten Zeiten genießen, sich von den schlechten nicht runterziehen lassen. Hochs und Tiefs gehören dazu. Was sie tatsächlich verursachen hängt von einem selbst ab. Und davon wie man die Dinge sieht.

Ein Kommentar