Stimme – Stimmen – Stimmung

Ein Gastbeitrag von Jeannette K. Kralisch, die professionell Stimmen vermittelt. Viel Vergnügen!

Unterscheidung:

Eines ist erstmal klar: Stimmen unterscheiden sich!

Stimmen unterscheidet man nach sämtlichen charakteristischen Merkmalen, nach denen man auch den menschlichen Charakter analysiert. Emotionen wie Freude, Überraschung, Trauer, Schmerzen, Wut, Selbsbewusstsein, Lust etc. sind nur einige wenige der vielen Charaktereigenschaften, die man mit der Stimme darstellen bzw. ausdrücken kann.

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Die Stimme spiegelt zwar den Gemütszustand wieder, allerdings gelingt es auch, diesen Seelenzustand mit Hilfe der Stimme zu  überspielen. In diesem Falle verwendet man die Stimme als „Werkzeug“.

Sprecher, Schauspieler und Verkäufer machen tagtäglich von diesem „Werkzeug“ Gebrauch. Sie bekommen einen Seelenzustand  vorgeschrieben, in dem Ihnen gesagt wird, wie ihre Stimmen klingen sollen. Das hängt ganz davon ab, welche Wirkung bei den  Hörenden erreicht werden soll.

Ein ängstlicher, schüchterner Mensch wird eher mit leiser Stimme sprechen und als Verkäufer wenig Erfolg haben. Ein  energischer, selbstbewußter Mensch spricht eher mit lauter Stimme.

Ebenso zeigt sich das Temperament in Lautstärke und Schnelligkeit der Stimmäußerung. Diese Faktoren tragen zur gleichbleibenden Stimmqualität bei, wenn sie auch nicht unveränderbar sind, wie die anatomisch determinierten Gründe einer bestimmten Stimme.

Verändert ein Mensch sich charakterlich völlig, überwindet er z.B. seine Schüchternheit ein für alle Mal, so wird auch seine Stimme sich ändern.

Die neue Wissenschaft der Stimmphysiologie erkannte, daß vor allem anatomische Faktoren die typische Stimmqualität des Menschen determinieren. So hat ein Mann in der Regel längere Stimmbänder und einen größeren Kehlkopf, was zur Folge hat, dass seine Stimme tiefer klingt. Auch die Körpergröße spielt eine Rolle. Größere Menschen haben tiefere Stimmen als kleinere. Ebenso hat die physiologische Bildung des Brustraums, der Mundhöhle und der Stimmlippen Einfluß auf die Stimmfarbe. Wie der Körper des Menschen, so altert auch seine Stimme. Auch schwere körperliche und seelische Erkrankungen können auf die Stimme schlagen. (Vgl. Miethe / Hermann-Röttgen 1993, 91 ff.)

Eine Stimme setzt nicht mehr notwendigerweise einen Körper voraus. Der Körper stirbt, doch die Stimme überlebt ihn.

Eines muss eine Stimme aber immer sein, unabhängig davon, welches Gefühl beim Hörenden hervorgerufen werden soll: Die Stimme muss überzeugen!!!

Was macht eine überzeugende Stimme?

Eine überzeugende Stimme impliziert Emotionen. Das heißt, ohne dass der Inhaber der Stimme ausspricht, er sei fröhlich, begeistert, nervös, traurig, müde etc., erfährt der Zuhörer die Emotionen des Sprechenden.

Niemand glaubt einem weinenden Kind, dass es fröhlich ist. Niemand glaubt einem gelangweilt klingenden Mann, er sei begeistert. Niemand glaubt einer lachenden Frau, sie sei müde.

Wie überzeugt also eine Stimme? In dem sie glaubwürdig ist, in dem der Stimmklang mit dem Inhalt des gesprochenen Wortes kongruiert.

Der Klang einer Stimme ist aber auf jeden Fall individuell zu sehen. Was dem einen ein Wolhklang, ist dem anderen ein merkwürdiges Geräusch.

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